Wirtschaft â das sind verschiedene Felder, die die Menschheit im Laufe ihrer Geschichte erschlossen haben um daraus wirtschaftliche Werte zu erzeugen. In anderen Worten: wir bewirtschaften Felder, vom Acker und Bergbau zum Welthandel.
Die traditionelle Wirtschaftsgeschichte ist oftmals eine Geschichte des Fortschritts in deren Mittelpunkt
stehen. Wir gehen stattdessen auf die unsichtbare Geschichte ein und beschreiben grundlegende Mechanismen und Strukturen hinter der wirtschaftlichen Entwicklung.
Unser Dozent schlug uns vor Wirtschaft als Stoffwechselprozess der menschlichen Zivilisation mit ihrer Um- und Mitwelt zu verstehen. Menschen brauchen immer Ressourcen aus ihrer Umwelt, sei es die natĂŒrliche oder die geschĂ€ftliche. Diese verarbeiten sie, erzeugen daraus GĂŒter oder Dienstleistungen und verbrauchen diese. Dadurch beeinflussen sie wiederum ihre Umwelt.
Allerdings ist auch klar Ressourcen sind knapp, und das von natur aus, weswegen mit den vorhandenen Ressourcen gehaushaltet werden muss.
In der Vorlesung unterscheiden wir frĂŒnf verschiedene Formen dieser Expansion:
In unserem Beispiel der Acker
Die Landwirtschaft ist gebunden an Tages- und Jahreszeiten, wobei sich der Mensch diesem Zyklus unterordnen muss. Danach folgt Landwirtschaft immer dem Muster (i) Aussaat, (ii) Wachstum, (iii) Ernte, (iv) Ruhephase/Regeneration des Bodens.
Hier wird das Nötige aus der Natur gewonnen, ohne die Natur dauerhaft zu zerstören (im besten Fall). Braucht der Mensch mehr Erzeugnis, kann er Landwirtschaft, traditionell, nur horizontal expandieren. Im ĂŒbertragenen Sinn bedeutet das mehr Felder zu kultivieren und zu bewirtschaften.
Allerdings ist der Mensch bei dieser Form der Expansion durch folgende Faktoren eingeschrÀnkt:
ZusĂ€tzliche Produktion fĂŒhrte lange nur dazu mehr Menschen versorgen zu können, allerdings nicht stark genug um die wirtschaftliche Lage vieler Menschen zu verbessern.
In unserem Beispiel der Bergbau
Seit der Bronzezeit erschlieĂt die Menschheit nicht nur Ressourcen an der ErdoberflĂ€che, sondern auch direkt aus der Kruste darunter. Diesmal war die Menschheit auch nicht an einen natĂŒrlichen Zyklus gebunden, man konnte einfach (i) den Boden aufbrechen, (ii) Rohstoffe fördern und (iii) Rohstoffe verarbeiten. Allerdings wachsen diese Rohstoffe nicht nach, wir sind also mal wieder beim Thema Knappheit angekommen.
Sollte der Mensch mehr Ressourcen aus der Tiefe benötigen kann er immer mehr abbauen und dringt dabei meist immer tiefer ins Erddreich vor. Allerdings mussten hier vor dem eigentlichen Beginn der Unternehmung immer Investitionen getĂ€tigt werden, fĂŒr z.B. Werkzeuge oder Arbeiter. Landwirtschaft konnte man, rein theoretisch und nach Logik unseres Dozenten, im absoluten Zweifelsfall auch mit nichts anderem als den bloĂen HĂ€nden betreiben. Bei Bergbau gestaltet sich das schon deutlich schwieriger…
Ab dem frĂŒhen Mittelalter entwickelten sich darum um diese Art von Wirtschaft die ersten frĂŒhkapitalistischen Wirtschaftsformen. Dazu zĂ€hlten unter anderem auch
Einschub ĂŒber nachwachsende Ressourcen: Menschen kannten bis jetzt nur die nachwachsenden Ressourcen der Landwirtschaft und diese wurde auch auf den Bergbau ĂŒbertragen. Das Ressourcen aus dem Bergbau endlich sind ist eine Erkenntnis, die sich erst im 18. Jahrhoundert durchgesetzt hat.
In unserem Beispiel der Welthandel
Das Zeitalter der Seefahrer bringt fĂŒr viele Menschen den Zugang zu Waren, wie GewĂŒrze, Tee und Baumwolle, aus fernen LĂ€ndern und Kontinenten. Allerdings bringen die HĂ€ndler und Seefahrer anderer Nationen auch immer hĂ€ufiger Krankheiten aus ihren HeimatlĂ€ndern mit, die bei ihren Handelspartnern oft unbekannt sind und fĂŒr viele so auch den Tod bedeuten:
Zu dieser Zeit wird durch Kenneth Pomeranz der Begriff der GeisterflĂ€chen geprĂ€gt. Dieser Bezeichnet FlĂ€chen die nicht zum eigenen Staatsgebiet gehören, aber deren Ressourcen fĂŒr die Wirtschaft der Heimat genutzt werden (Bsp.: Koloniale Plantagen). Wirtschaftliche Expansion kann also auch die Verlagerung von Ressourcenverbrauch in andere Regionen bedeuten.
Geschichtlich dĂŒrfte auffallen, das einige europĂ€ische LĂ€nder mehr Kolonien hatten als andere. An diesem Beispiel können wir gut den Begriff der Risikokulturen erklĂ€ren.
GroĂbritannien wird hĂ€ufig als “die Insel” bezeichnet, woraus auch schon die geschichtliche Lage hervorgeht: Eine Macht, die grundsĂ€tzlich immer auf Inseln existiert hat und so seit je her auf Schifffahrt und Seehandel angewiesen war. Damit waren die Briten zum Begin der Kolonialzeit bereits an die UmstĂ€nde von StĂŒrmen, Piraterie oder lange Trasnsportzeiten und damit schwankende Preise gewöhnt. AuĂerdem gab es bereits an vielen Stellen des Landes erfahrene Werften, die den Eigenbedarf an Schiffen decken konnten.
Deutschland, bzw. der Flickenteppich der es mal war, ist eine traditionelle Kontinentalmacht. Das bedeutet, eine Wirtschaft die an Landhandel und tendenziell eher kĂŒrzere Transportwege gewöhnt war, und terretoriale Kontrolle gewöhnt war. Seehandel spielte eine lange Zeit keine so groĂe Rolle wie in GroĂbritanien, dementsprechend wenig erfahrene Werften und hochseetaugliche Schiffe baute Deutschland.
Die Risikobereitschaft war also in beiden LĂ€ndern aufgrund der geographischen Gegebenheiten unterschiedlich gewertet:
| Maritime Handelsökonomie | Kontinentale Handelsökonomie |
|---|---|
| Fernhandel & weitrÀumige Expansion | Orientierung an terretorialen Ressourcen |
| GroĂe Unsicherheit bei Transportwegen und Handel | Starke AbhĂ€ngigkeit von Landinfrastruktur |
| Leichtere Expansion auf neue MĂ€rkte/Handelsrouten | Chancen durch Kontrolle undd Kultivierung des eigenen Wirtschaftsraums |
| Risiken des Fernhandels bekannt | VorzĂŒge langfristiger Sicherung & Kontrolle bekannt |
Handelskriege bezeichnen grundsÀtzlich Konflikte zwischen Staaten, die durch wirtschaftliche Mittel ausgetragen werden: Strafzölle, ImportbeschrÀnkungen, Exportverbote, oder (teilweise) auch Subventionen um den Konsum etwas subtiler zu beeinflussen.
Die Annahme ist dabei hÀufig die, das die Wirtschaft einer Nation stÀrker ist als die einer anderen Nation und der Wettbewerb zulasten des anderen geht.
Manche Machthaber geraten dann schnell in eine Spirale und erheben Zölle worauf das andere Land mit Gegenzöllen reagiert, … Diese Mechanismen kann man ganz gut an den folgenden Beispielen erkennen.
Der Mehrkantilismus beschreibt die Vorstellung, das Wohlstand und Macht eines Staates direkt mit einer positiven Handelsbilanz und der AnhÀufung von Ressourcen zusammenhÀngen.
Adam Smith fand den allerdings nicht so genial: nationaler Wohlstand hĂ€nge nicht nur Gold und Silber ab. Stattdessen sei der eigentliche Wohlstand einer Gesellschaft ihre FĂ€higkeit GĂŒter und Dienstleistungen zu produzieren.
In unserem Beispiel das Finanzkapital, i.e. Investition mit dem Ziel von ErtrÀgen
Die Zeitliche Expansion geht zum GroĂteil mit der Idee des Merkantilismus einher. Die Idee ist die, das Finanzkapital investiert wird und die Produktion aufgrund des neu zur VerfĂŒgung stehenden Kapitals die Produktionseffizienz steigern kann. Am Ende soll das Investment im besten Fall mehr Wert sein als zu Beginn, im schlechtesten Fall mindestens genau so viel.
Die Idee des Investierens ist tatsĂ€chlich auch schon etwas Ă€lter: bereits 1571 wurde in London die geschlossene Royal Exchange gegrĂŒndet, 1602 dann die erste offizielle Börse in Amsterdam durch die Ostindien-Kompanie.
Zeitlich betrachtet wird auch klar, das der Wohlstand benachbarter Nationen vorteilhaft sein kann, auch wenn das militÀrisch und politisch anders erscheint. Ein Staat kann versuchen die lokale Produktion durch Importzölle zu stÀrken, auch wenn auf lange Sicht freier Handel mehr Vorteile bringen könnte.
In unserem Beispiel die wirtschaftliche Nutzung menschlicher Daten
Wir sind weit gekommen, seit dem Beginn der Ăkonomie. Wir haben uns losgelöst von natĂŒrlichen Zyklen und haben immer mehr und mehr Wohlstand angehĂ€uft, in der einen oder der anderen Form. Und auch wenn die Wirtschaft heute zum GroĂteil virtuell ist, ist sie doch nicht immateriell.
Irgendwo auf der Welt stehen immer noch Server in Rechenzentren die zum Betrieb Strom benötigen. AuĂerdem KĂŒhlung und Wasser fĂŒr Rechenzentren und Kraftwerke, Ressourcen fĂŒr die Produktion der Hardware und GebĂ€ude und Infrastruktur zum Betrieb der virtuellen Wirtschaft.
In der Wirtschaft hat sich seit dem der Begriff des behavioral surplus durchgesetzt. Dieser beschreibt die DatensĂ€tze die jetzt digital ĂŒber alle Konsumenten gesammelt und ausgewertet werden können:
Daraus werden hĂ€ufig Werbeprofile erstellt und desto genauer diese auf den jeweiligen Konsumenten zugeschnitten sind, desto “produktiver” wird sein/ihr Kaufverhalten.
Wer so ein Feld nutzt, also auf Platformen aktiv ist, ist auĂerdem hĂ€ufig nicht der eigentliche Inhaber (siehe zum Beispiel YouTube, Uber oder Amazon). Die Platformen stellen lediglich die Infrastruktur zur VerfĂŒgung, das Feld bestellen wir â als hĂ€tten wir es gepachtet,
Last edited: 01.11.2026