Wir fangen mit den eigentlichen Mudulinhalten an und steigen ein in Aussagenlosik. Dieses Thema ist grundlegend um mathematische Aussagen zu formulieren und zu verknüpfen. Die verknüpften Aussagen können zum Beispiel später bewiesen werden.
Streng genommen ist also die Aussagenlogik das absolute Urgestein der Mathematik auf dem alles andere aufbaut.
Die Aussagenlogik ist das Urgestein: das heißt aber auch, dass noch nichts existiert womit wir Aussagen oder Logik genau definieren können. Zuerst sollten wir uns also Gedanken machen, was eine Aussage überhaupt ist. Wirklich präzise definieren können wir das nicht, weil wir dafür schon ein tieferes Verständnis von Mathe bräuchten. Außerdem ist das ein Thema womit sich ganze Bücher und eigene Vorlesungen außeinandersetzen.
Wir begnügen uns also mit einer umgangsprachlichen Definition, die auf reine Sprache setzt um den Begriff der Aussage zu definieren.
Eine Aussage ist ein sprachliches Gebilde von dem wir sinnvoll sagen können, ob es wahr oder falsch ist.
Beispiele
$A_i$ mit $i=1,2,\dots$ sind atomare Formeln, also Formeln die sich nicht weiter zerlegen lassen und werden induktiv definiert durch:
Anmerkung: Die Begriffe “Aussage” und “Formel” bezeichnen in diesem Kapitel den gleichen Gegenstand.
Anmerkung: w/wahr wird häufig mit 1 und f/falsch mit 0 ersetzt.
Der und/$\land$-Operator zerknüpft zwei Aussagen und wird genau dann wahr, wenn beide aussagen wahr sind.
| A | B | A $\land$ B |
|---|---|---|
| 0 | 0 | 0 |
| 0 | 1 | 0 |
| 1 | 0 | 0 |
| 1 | 1 | 1 |
Der oder/$\lor$-Operator verknüpft zwei Aussagen und wird wahr, wenn mindestens eine Aussage wahr ist.
| A | B | A $\lor$ B |
|---|---|---|
| 0 | 0 | 0 |
| 0 | 1 | 1 |
| 1 | 0 | 1 |
| 1 | 1 | 1 |
Der “exklusive oder”/$\dot\lor$-Operator verknüpft zwei Aussagen und und wird wahr, wenn genau eine Aussage wahr ist.
| A | B | A $\dot\lor$ B |
|---|---|---|
| 0 | 0 | 0 |
| 0 | 1 | 1 |
| 1 | 0 | 1 |
| 1 | 1 | 0 |
Der Implikations/$\Rightarrow$-Operator verknüpft zwei Aussagen und wird falsch genau dann, wenn A wahr und B falsch ist.
| A | B | A $\Rightarrow$ B |
|---|---|---|
| 0 | 0 | 1 |
| 0 | 1 | 1 |
| 1 | 0 | 0 |
| 1 | 1 | 1 |
Der Äquivalenz/$\Leftrightarrow$-Operator verknüpft zwei Aussagen und wird wahr genau dann, wenn beide Aussagen übereinstimmen.
| A | B | A $\Leftrightarrow$ B |
|---|---|---|
| 0 | 0 | 1 |
| 0 | 1 | 0 |
| 1 | 0 | 0 |
| 1 | 1 | 1 |
Der Negations/$\lnot$-Operator verneint den Wahrheitswert von A.
| A | $\lnot$A |
|---|---|
| 0 | 1 |
| 1 | 0 |
Beweistechniken gibt es unzählige, hier folgt nur eine kleine Auswahl von Beweisen die wir am Anfang häufig benutzen werden.
“$\Rightarrow$” wir beginnen mit der Richtung $(x^2-5x+6)\Rightarrow(x\in\{2,3\})$:
$$ \begin{align*} 0&=x^2-5x+6\mid\text{3. BF} \\ &=(x-2)(x-3) \\ &\Leftrightarrow\, x=2\lor x=3 \\ &\Rightarrow x\in\{2,3\} \end{align*} $$“$\Leftarrow$” sei $x\in\{2,3\}$
$$ \begin{align*} x=2\lor x=3&\Leftrightarrow (x-2=0)\lor(x-3=0) \\ &\Rightarrow(x-2)(x-3)=0=x^2-5x+6\qquad\square \end{align*} $$Unsere Aussagen sind hier die folgenden:
Angenommen $n$ ist durch die Definition gegeben und es existiert ein $p_i$ das $n$ teilt
$\Rightarrow\quad p_i\mid\prod p_i$ und aber auch $p_i\mid n-\prod p_i=1$
$\Rightarrow\quad p_i\mid1\quad\Rightarrow\quad p_i=1<2$ ↯
Es existiert nur eine Zahl die $n$ teilen kann: $1$. Die $1$ kann aber kein $p_i$ sein, da $p_i\ge2$ gilt. $\square$
Unsere Aussage sind hier die folgenden:
“$\Rightarrow$” sei $a\in\mathbb{N}$ gerade ($a=2k$)
$$ \begin{align*} \Leftrightarrow\, a&=2k \mid k\in\mathbb{N} \\ a^3&=(2k)^k \\ &=2^3k^3=8k^3 \\ &=\underbrace{2}_{\text{immer gerade}}\cdot(4k^3) \end{align*} $$“$\Leftarrow$” sei $a\in\mathbb{N}$ ungerade ($a=2k+1$)
$$ \begin{align*} \Leftrightarrow\, a&=2k+1 \mid k\in\mathbb{N} \\ a^3&=(2k+1)^3 \\ &=(4k^2+4k+1)(2k+1) \\ &=8k^3+12k^2+6k+1=\underbrace{2(4k^3+6k^2+3k)}_{\text{immer gerade}}\underbrace{+1}_{\text{immer ungerade}} \end {align*} $$Weil die Summe einer geraden und einer ungeraden Zahl immer ungerade ist (auch das müsste man hier noch beweisen, wir sparen uns das aber) ist $a^3$ ungerade für ungerade $a$. Wir können also darauf schließen, dass $a^3$ gerade ist für gerade $a$. $\square$
Last edited: 17.10.2026